Sonntag, 10. Januar 2010

Chile - der arme reiche Norden

06.00 Uhr morgens in La Serena, Chile. Müde steigen wir aus dem Bus, der Himmel ist bedeckt. Mit einem herzlichen „Grüezi“ werden wir von Schwester Rita begrüsst. Mit dem Auto geht es durch die noch einsamen Strassen zum Centro Nazaret, unserer Bleibe für die kommenden Tage. Nach einem bodenständigen Frühstück legen wir uns noch für einige Stunden aufs Ohr.

Schwester Rita leitet zusammen mit zwei Mitschwestern, Edith und Lucy das Centro Nazaret, ein Mädchenheim. Ursprünglich wurden hier Kleinkinder, Jungen und Mädchen aus der armen Bergregion von San Felix ein Zuhause und eine Schulbildung geboten. Heute dient das Centro als Heim für junge Frauen von armen Verhältnissen die in La Serena studieren. Das Heim wird durch Spenden und dem Einkommen von Lucy, welche in einer Tagesklinik als Krankenschwester in einem Armenviertel arbeitet, finanziert.

La Serena ist die zweitälteste Stadt Chiles und hat viele Gesichter. Im gepflegten Zentrum gibt es schöne, alte Gebäude und Kirchen, am Meer entstanden und entstehen riesige Hotelanlagen, die Aussenquartiere sind arm. In der Region wird in grossen Mengen Pisco, ein Schnaps aus Trauben, hergestellt, Gemüse und Obst angebaut. In den Bergen gibt es mehrere internationale Observatorien. La Serena wurde für uns zu einem Sinnbild der unterschiedlichen Schichten Chiles. Müssen die Armen um ihre Existenz kämpfen, bräunen sich die Reichen am Strand.

Wir genossen die Zeit mit dem Trio von Centro Nazaret. Viele Geschichten zeigten uns, wie dass „wirklichte“ Leben in Chile ist und wir erfuhren wie das Centro Nazaret entstanden ist. Vor knapp 40 Jahren haben sich Rita und Edith entschlossen im Bergdorf San Felix ihre Arbeit als Missionarinnen aufzunehmen. In San Felix angekommen stiessen sie auf grosse Armut. Den Bergbauern, welche oft Stunden zu Fuss oder mit dem Pferd vom Dorf entfernt lebten, fehlte es an allem. So geschah es, dass Ronaldo, einer der Bergbauern, 5 seiner 9 Kindern den beiden Schwestern vorbei brachte und diese anflehte sich den Kindern anzunehmen. Anfangs lebten Rita und Edith, zusammen mit den 5 Kindern in der Sakristei der Kirche ohne Fenster, Wasser und Toilette. Von Spenden wurde ein Kinderheim erbaut und bot für mehr als 40 Kindern ein Zuhause. Um den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, entschlossen sie sich, in La Serena das Centro Nazaret zu eröffnen. Bei unserem Besuch der Region um San Felix durften wir erfahren wie fest die Schwestern und deren Arbeit noch heute geschätzt und gebraucht wird.

Die Tage vergingen im Nu. Wir erlebten unvergessliche Weihnachtstage mit herrlichem Essen. Erfuhren bewegende Begegnungen mit armen Menschen, welche in erbärmlichen Häusern leben und bekamen einen echten Einblick in dessen Leben.

Rita, Edith und Lucy, vielen Dank für die unvergessliche Zeit, für den Einblick in Euer Leben, die Herzlich- und Fröhlichkeit.

Weiter ging es mit dem Nachtbus nach San Pedro de Atacama, einem kleinen, grünen Ort in der chilenischen Wüste. Von hier aus haben wir uns einen Jeep mit Fahrer über die Grenze nach Bolivien und in die Wüste von Uyuni organisiert. Aber leider war dieser bei unserer Ankunft in den Ferien?!

Wie es in San Pedro weiterging und über unsere Erlebnisse durch Bolivien berichten wir bald! Zurzeit sind wir viel neben den Strassen unterwegs und nur schwer erreichbar.

Bis bald!


Wir wünschen an dieser Stelle allen „Es guez neuis Johr“!

Das Geheimnis des Glücks ist Freiheit;
das Geheimnis der Freiheit ist Mut.

(Thukydides)

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