Seit 3 Tagen sitzen wir nun in Lima (Peru) fest. Die Strassen in ganz Peru sind aufgrund eines Streiks blockiert und ein Ende ist nicht in Sicht. Eine gute Gelegenheit unsere Eindrücke von Bolivien zu schildern.
Das von Land umschlossene Bolivien ist das Tibet Amerikas - der am höchsten gelegene und weltabgeschiedenste aller lateinamerikanischen Staaten. Von den knapp 9 Millionen Einwohner halten über 50% nach wie vor an traditionellen indianischen Bräuchen und Glaubensvorstellungen fest. Die Armut ist groß, das Leben sehr einfach und ländlich.
Im Kriege zwischen1879 bis 1883 gegen Chile hat Bolivien 350km Küstenland verloren und dadurch auch den Zugang zum Meer. 20 Jahre später verlor zudem Bolivien einen grossen Teil des fruchtbaren Amazonasgebietes an Brasilien. Heute lebt Bolivien primär von der Landwirtschaft und den Minen sowie ein wenig vom Tourismus.
Nun standen wir, nach einer 14 sündigen Busfahrt, vor dem Büro des Touroperators in San Pedro de Adacama (Chile). Am Telefon haben wir vereinbart, dass uns einen Fahrer mit Jeep um 09.30 Uhr abholt und uns während 3 Tagen durch die Wüste nach Bolivien chauffiert. Doch dieser, sowie das ganze Team des Touroperators waren bei unserer Ankunft in den Ferien!? Einen Tag später machten wir uns mit einem andern Fahrer auf den Weg…
Die ersten zwei Stunden fuhren wir auf einer guten, geteerten Strasse. Unmittelbar vor der Grenze zu Bolivien hörte der Asphalt auf und nach Grenze gab es nur noch eine sehr schlechte, unbefestigte Strasse. Krass, diese eindeutige Grenze zwischen Chile und Bolivien. Auch müssen wir das Fahrzeug und den Fahrer wechseln, denn Chilenen reisen nicht nach Bolivien und umgekehrt.
Unser Weg führte uns vorbei an unzähligen Lagunen in verschiedenen Farben, Flamingos, Thermalquellen, Geisieren, wirre Felsformationen – quer durch die Wüste auf 3500 bis 4000 Metern über Meer. Nach einer erholsamen Nacht bei einer bolivianischen Home stay machten wir uns am zweiten Tag auf zur Salar de Uyuni, dem grössten Salzsee der Welt. Der 12’000km2 grosse, meist trockene Salzsee liegt auf 3653 Meter und man schätzt das Salzvolumen auf 10 Milliarden Tonnen.
Wir entschlossen uns mit dem Nachtbus von Uyuni nach La Paz zu fahren. Der überfüllte Bus führte uns auf der extrem schlechten Strasse vorbei an kleinen Bauerndörfern mit Lehmhütten und durch eine raue, teilweise mit Kartoffeln bepflanzte Landschaft. Trotz den schlechten Strassen ist der Fahrer sehr sportliche unterwegs. Das ständige rütteln und schütteln machte das Schlafen zu einem fast unmöglichen unterfangen.
La Paz, die am höchsten gelegene Stadt der Welt, gleicht einem Mondkrater. Sie liegt zwischen 3200 und 4100 Metern über dem Meeresspiegel auf dem Boden einer Schlucht, in der es kaum ein grünes Fleckchen gibt. Selbst Sauerstoff ist wegen dem Smog und der Höhe rar. Aber das Lebhafte und Farbige, das der landschaftlichen Beschaffenheit von La Paz fehlt, findet sich reichlich in den Menschen und der Kultur. Frauen mit Bowlerhüten (am Band um den Hals baumelnd, wenn sie ledig sind, und auf dem Kopf getragen, wenn verheiratet) und voluminösen Röcken, Geschäftsleute und Politiker im Anzug mit Krawatte, Soldaten mit Maschinengewehren und unter Markisen liegen in dicke Ponchos gewickelte, schlafende Bettler.
Hier trafen wir Claudia (eine Kollegin von Buttisholz) die zurzeit auch auf Reisen ist. Zu fünft (Agnes, Peter, Claudia und wir zwei) erkundeten die Stadt und die Region. Die Silvesterparty feierten wir in einem kleinen „Beizli“ zusammen mit Locals. Am 2. Januar fühlten wir uns fit genug die gefährlichste Strasse der Welt mit Downhill Bikes zu befahren. Seit 4 Jahren gibt es eine Umfahrungsstrasse für die 65km lange „Todesstrasse“ welche von La Cumbre (4700m) nach Yolosa (1180m) führt. Zuvor starben auf dieser Strasse pro Jahr mehr als 200 Menschen! Die Strasse bringt uns von nasskalten und kargen Pass innert kürze in eine tropische, saftiggrüne Landschaft. Nach 5 Stunden war der Spaß vorbei und wir erholten uns im Swimmingpool mit herrlicher Aussicht.
Auf dem Hauptplatz von Copacabana entsteigen wir dem Bus und bestaunen die unzähligen, reich geschmückten Autos, Busse und Lkw’s. Vor der Kathedrale verfolgen wir das Schauspiel weiter. Der Motor und die Reifen werden mit Bier oder Schaumwein besprüht, dass Auto wird aussen wie innen ausgeräuchert und zum Schluss wird vom Pfarrer Auto, Besitzer und alle Begleiter reichlich mit Weihwasser gesegnet. Wir können fast nicht glauben was wir sehen, für die Bolivianer aber eine selbstverständliches Muss.
Copacabana liegt zudem auch am Titicacasee. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen mit einem der überfüllten Schiffchen auf die Isla del Sol zu fahren und die Ruinen der Pre Inkas zu bestaunen und abends die köstlichen Forellen zu speisen. Hier verabschiedeten wir uns dann auch von Agnes und Peter. Die zwei machten sich auf nach Peru. Wir fuhren zurück nach La Paz.
Agnes und Peter – vielen lieben Dank für die tolle und unvergessliche Zeit!
Mit dem Auto fahren wir von La Paz hoch nach Alto und immer weiter ins Hochgebirge durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Lamas und Alpacas. Zu Fuss ging es dann zur Hütte welche auf 5200 Meter liegt. Von hier werden wir kurz nach Mitternacht zum Huayna Potosi (6088m) aufbrechen. Bis dann sollen wir essen, trinken, faulenzen und schlafen hat uns der Bergführer gesagt. An der Sonne lassen wir uns wärmen und genießen das Panorama. Dass Essen, welches und der Bergführer in einem Zelt zubereitet, ist fein und nahrhaft.
Punkt Mitternacht stehen wir auf und Frühstücken. Leider fühlt sich Silvia immer noch nicht besser. Die Magendarmprobleme, die sie seit einigen Tagen plagen, machen ihr zu schaffen. Trotzdem entschließt sie sich mit uns aufzubrechen. Trotz starkem Willen musste sie auf einer Höhe von 5300m aufgeben und zusammen mit dem zweiten Bergführer den Rückweg antreten. Claudia und ich wanderten und kletterten weiter in die Höhe, vorbei an bizarren Eislandschaften und mit Sicht auf La Paz by night. Nach knapp 5 Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel. Atemlos und etwas emotional genießen wir den Moment und die Aussicht.
Einen Tag später machten wir uns müde, mit etwas Muskelkater und Blasen an den Füssen auf nach Peru. Unser nächstes Ziel ist der Muchu Picchu.
Freitag, 22. Januar 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
2 Kommentare:
hey, congratulation!! de huayna potosi isch kein spaziergang... viel spass wiiterhin!!! liebe gruess us malaysia
Das tönt nicht gut. Ich hoffe, ihr könnt bald weiter. Stell ich mir frustrierend vor, wo im Urlaub zu sein und dann das...
Sehr eindrucksvolle Bilder, besonders diese Art Kirche aus Chile hat es mir sehr angetan. Weiter so!
Kommentar veröffentlichen