Wir sitzen im Bus in Richtung Süden, Richtung Ende der Welt. Seit Stunden holperige Schotterpiste, Steinpampa einige wilde Guanacos (Verwante der Lamas), Flamingos und Nandus (ähneln dem Strauss) und immer wieder können wir für einen kurzer Augenblick die verschneiten Berge, die Gletscher in der Ferne erhaschen…
Die Reise von Neuseeland nach Buenos Aires (BA) war lang. Kaum geschlafen (16h Zeitverschiebung) brannten wir darauf, diese riesige Stadt (12 Mio. Einwohner) zu erkunden. Eigentlich mögen wir Städte nicht besonders, aber BA wird als elektrisierendes beschrieben. Trotz der Grösse und dem riesigen Verkehrchaos fanden wir schnell das Elektrisierende. Ruhige kleine Quartiere, charmante Restaurants mit den besten argentinischen Steaks, guter Wein, Tangomusik und Tanz und viel, viel argentinischer Charme.
Im 16. Jahrhundert kamen die Spanier nach Südamerika und liessen sich vorerst im heutigen Peru nieder. Das heutige Lima wurde zur Hauptstadt ernannt. Von hier wurde der ganze Kontinent erkundet und „gezähmt“. 1816 wurde Argentinien für unabhängig erklärt. Exporte von Rindern, Schafe und Getreide führte in den folgenden Jahrzehnten zu grossem Wohlstand und zog viele Einwanderer insbesondere aus Spanien, Italien und Frankreich an. Doch die Instabilität, Korruption und Misswirtschaft der Regierung führte immer wieder zu Kriegen und grossen Rezessionen. In Argentinien leben heute 39 Millionen Menschen, das Land ist fast so gross wie Indien (1.2 Milliarde Einw.) und zählt, trotz der wachsenden Wirtschaft, immer noch zu den eher ärmeren Ländern dieser Welt.
Die Langstreckenbusse in Argentinien sind die besten Busse, welche wir bis heute gesehen haben. Man sitzt so bequem wie in der Business Class im Flugzeug, bekommt warme Mahlzeiten serviert und hat eine tolle Aussicht. Nach 18 Stunden Nonstop sind wir in Iguazu angekommen. In der Region gibt es mehr als 250 Wasserfälle in einer spektakulären, grünen Landschaft zu bestaunen. Der Rio Iguazu bildet die Landesgrenze zwischen Argentinien und Brasilien.
Hier haben wir ein altes argentinisches Paar, sie waren in den Ferien, kennen gelernt. Nach einem Smalltalk wurden wir zum Mate eingeladen. Mate ist DAS Getränk der Argentinier. Matetee, ein Matebecher, ein Trinkhalm und eine Thermosflasche gehört hier zum Handgepäck. Das Tee wird immer und überall mit den „Amigos“ getrunken. Heisses Wasser gibt es überall gratis zum auffüllen. Natürlich haben auch wir uns all die Utensilien angeschafft und trinken jetzt fast täglich unseren Mate.
Iguazu haben wir vor mehr als 35 Stunden mit dem Bus verlassen. Nun sind wir 2000km südlicher und haben zahlreiche Klima- und Vegetationszonen durchquert. Seit Stunden fahren wir mit cirka 50km/h durch die stark windige Steinpampa. So weit das Auge reicht nur öde Steinwüste, Büsche. Und plötzlich erspähen wir die ersten wilden Guanacas. Und kurze Zeit später können wir die ersten Anzeichen der Zivilisation erkennen. Überall haben sich Plastiksäcke in den Büschen, verweht vom Wind, verfangen. Endlich in Puerto Madryn, eine kleine Stadt in Mitten der Pampa!
Was uns in diese verlassene Gegend gezogen hat ist nicht Puerto Madryn. Nein, ausserhalb von Puerto Madry liegt der wirkliche Grund unserer Reise - Peninsula Valdés. Südkapernwale, Killerwale, Seeelefanten und Magellanpinguine leben hier in einem rieseigen Nationalpark. Mit einem Kleinbus machten wir uns frühmorgens auf und schon bald sahen wir vom Ufer die ersten Südkapernwale. Zuerst besuchten wir den Nordteil der Halbinsel wo hunderte von Seeelefanten faulenzen, furzen und rülpsen. Die riesigen Männlein wiegen bis zu vier Tonnen und haben teilweise bist zu mehr als 100 Liebhaberinnen. Die Magellanpinguine hingegen pflegen eine engere Beziehung. Das Paar lebt immer zusammen, brühten abwechslungsweise die Eier und kümmern sich nach der Geburt gemeinsam um die Jungen. In der Region gibt es zwei grosse Kolonien wo bis zu 360'000 Pinguine zusammen leben.
Auf der Fahrt zum südlich gelegenen Hafen hatten wir das seltene Glück zwei Killerwale beim Jagen von Seerobben zu beobachten. Wer glaubt, dieses Naturspektakel könne man nicht mehr Toppen, der hat sich getäuscht. Vom Schiff aus haben wir mehr als 20 Südkapernwale gezählt. Einige waren nur wenige Meter von uns entfernt. Die Südkapernwale werden bis ca. 18m lang und wiegen nicht selten 30 Tonnen.
Wow – ist das der schönste Berg? Wir stehen vor dem Fitz Roy und bestaunen seine steilen Flanken. Unter ihm die Gletscherzunge und die Laguna de los Tres. Jede Minute des viersündigen Aufstieges, durch einen Teil des Weltweit grössten Trinkwasserreservats, hat sich gelohnt.
Übrigens, in El Chaltén konnten wir seit 8 Monaten wieder einmal Hahnenburger trinken. Was für ein Genuss!
Nach einer kurzen Busfahrt sind wir in El Calafate angekommen, Ausgangsort für den Perito Moreno Glaciar. Der gewaltige Eisstrom ist 30km lang, 5km breit. Die Eiswand ist 60m hoch und ragt 140m tief in den See. Täglich rückt das Eis bis zu 2m vor, wobei er an seinem Gletschertor ständig neue Eisberge „kalbert“. Der Perito Moreno zog unsere ganze Aufmerksamkeit für Stunden auf sich. Das Knattern des Eises, das „Kalbern“ und die anschliessenden Wasserfontänen sind ein Naturschauspiel der Superlative.
… wir sind kurz vor der chilenischen Grenze. Unser Weg führt uns weiter ins südliche Patagonien, weiter in das riesiges Naturparadies.
Samstag, 21. November 2009
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